Leicht lächelte Valéry, als er die Worte von Jean hörte, dass dieser nur Madrid kennen würde. “Aus Madrid komme ich, aber ich habe tatsächlich eher an die Umgebung um Madrid herum gedacht. Madrid selbst erinnert daran wohl eher nicht.”, nein, kein bisschen, denn in dieser Hinsicht war die Stadt deutlich mehr wie eine typische Großstadt ohne schöne Landschaften. Zumindest nicht, wenn man sie direkt in der Mitte von Madrid suchte. Als Jean jedoch beschrieb, wo genau er herkam und dabei eine Stadt nannte, die Val zwar bereits gehört hatte, aber ansonsten nicht kannte, da zuckte er leicht die Schultern. “Ich kenne sie vom Hören, aber mehr auch nicht.”, antwortete er daher ehrlich und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, doch kennen musste er die Stadt wohl nicht. Immerhin kannte er Marseille und das reichte den lockigen Spanier absolut, wenn man mal bedachte, dass er im Grunde gar nicht mehr hier in Frankreich sein wollte und viel lieber wieder nach Spanien gehen würde. In seine Heimat. Ein Wunsch, der wohl genau das bleiben würde. Zumindest fürs Erste.
Als Jean wegen der Badekugeln fragte und mehr oder weniger nach der Beziehung zu seinem Liebhaber, hatte Valéry kein Problem damit, ihm davon zu erzählen. Und das wirklich sehr detailreich. Ob er damit vielleicht viel zu private Dinge von sich sowie Mateo offenbarte? Ganz sicher, doch daran dachte der Lockenkopf im Moment nicht und genau genommen war es ihm sowieso vollkommen egal. Und warum sollte er davon auch nicht erzählen? Immerhin gehörte Sex einfach zum Leben dazu und wenn er lieber einen Liebhaber anstelle eines Freundes haben wollte, dann war das wohl vollkommen in Ordnung und auch für seine Unerfahrenheit musste er sich wohl wirklich nicht schämen. Zumindest nicht vor jemandem wie Jean, der ihn sowieso kaum kannte und wo ihm dessen Meinung relativ egal sein konnte. Nicht, dass Val besonders viel auf die Meinungen anderer Leute gab, aber vielleicht wäre er etwas befangener, wenn es jemand aus seinem Freundeskreis gewesen wäre. Und dennoch war er neugierig darauf, wie Jean dies finden würde, wäre er an der Stelle von Mateo. Schweigend und erwartungsvoll sah er den Franzosen an, während er seinen Worten lauschte und schließlich breit grinste. “Das denke ich auch.”, und es beruhigte ihn sehr, dass er mit diesen Gedanken nicht alleine war. Als Jean nun jedoch eine Frage stellte, runzelte Val die Stirn, während er darüber nachdachte. “Also erstmal, weil es ziemlich überraschend für mich war, dass ich auf einen Mann stehe. Zumindest in sexueller Hinsicht. Damit habe ich mich etwas schwer getan und tue es immer noch manchmal, aber es wird besser.”, erzählte er nun und musste unweigerlich an den Anfang von Mateo und ihm denken. Daran, wie sie sich kennengelernt hatten. Und auch daran, was Mateo am Anfang von ihm als Gegenleistung erwartet sowie verlangt hatte. Und das war tatsächlich etwas, was er so niemandem erzählen konnte oder wollte, weil er sich dafür doch irgendwie schämte. “Und dann war Mateo am Anfang nicht besonders nett gewesen. Das hat es nochmal schwerer gemacht für mich.”, schloss er die Erklärung ab, ohne zu lügen, aber auch ohne allzu weit ins Detail zu gehen.